
Vom
Suchen und Finden
An einem regnerischen März-Tag 1956 stand ich mit meinem alten Fahrrad am Klagesmarkt in Hannover. Ich schaute auf das Zentrum der vor mir liegenden Innenstadt. Mit Eltern und zwei jüngeren Brüdern war ich nach Hannover umgezogen. Mein Vater hatte dort in dem für uns Nicht-Wirtschaftswunderland Arbeit in einem neuen Beruf gefunden. Die Fluchtjahre aus der Heimat bei Stettin und die Zeit voller Kärglichkeit in Anklam und Rendsburg sollten hier zu Ende gehen.
Ich sah die Reihe der Verkaufsbuden der Innenstadt. Dahinter überragte der rote Backsteinturm der Marktkirche neu aufgebaute Häuser. Der Anblick betrübte mich. Ich war jetzt 17 Jahre alt und merkte, dass ich etwas suchte. Ich wusste nicht, wonach. Es beunruhigte mich viele Jahre lang. Ich lernte freundliche Menschen kennen, die mir gut taten. Sie selber hatten auch nach dem Leben gesucht. Sie schenkten mir Zeit für meine vielen Fragen. Mit misstrauischen Erwartungen studierte ich Theologie. Im Studium lernte ich die tiefsinnigen Antworten unserer christlichen Vorfahren kennen. Mit Freunden und meiner Frau kam ich nach Studienabschluss in den Pfarrdienst der ev.Kirche. Ich verkündete den Glauben an die lebensfreundliche, christliche Botschaft. In meiner Familie wuchsen zwei muntere Kinder heran. Mein Unerfülltsein, das mit zu all dem Rettenden und Guten nicht passte, wollte nicht weichen.
Meine 9 Besinnungen, die ich innerhalb der letzten zwanzig Jahren in meinem sog. Ruhestand geschrieben habe, berichten vom Ende meiner Unruhe und dem immer neuen Finden nach meiner Suche. Abenteuerlich kam eine Wandlung zum Verstehen, Finden und Glück, die mich bis heute immer wieder erobereten. Sie wurden zum staunenden Liebgewinnen des Lebendigseins.
Bonn, 31.7.2025
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